Yoga trotz Schwangerschaft?

Mit dem positiven Ergebnis eines Schwangerschaftstest beginnt auf jeden Fall ein neuer Abschnitt im Leben einer Frau.   Ein Kind zur Welt zu bringen ist eine Einladung am Schöpfungsprozess teilzuhaben. Was gibt es Wesentlicheres?

 

Mit der Empfängnis beginnt aber auch bereits die Verantwortung für das neue Leben.   Überraschend ist allerdings, dass ein Großteil werdender Mütter – besonders die körperlich aktiven – ihr reguläres Yoga- oder Fitness-Programm häufig einfach erst einmal so weiter machen wie bisher.

 

Gut, schwanger zu sein ist keine Krankheit und auch an dem Spruch: „Was sitzt, das sitzt“ könnte etwas Wahres dran sein. Dabei sollte aber auch beachtet werden, dass besonders in der Frühschwangerschaft gravierende Veränderungen im mütterlichen Organismus stattfinden. Dass die vielen Veränderungen auch die Psyche beeinflussen, erklärt sich von selbst.   Eine Schwangerschaft stellt also eine physiologische und auch seelische Ausnahmesituation im Leben einer Frau dar. Das Yoga-Programm sollte dementsprechend auf die besonderen Bedürfnisse schwangerer Frauen ausgerichtet sein und dies gleich von Anfang an.  

 

Worauf Schwangere besonders achten sollten, erfahren Sie im folgenden Interview, das Pre- und Postnatal-Yoga-Expertin Patricia Thielemann dem Yoga Journal gab:

 

 

Patricia, Schwangerschaft und Geburt eines Kindes sind für die meisten Frauen nicht nur eine persönliche Erfahrung, sondern eine Phase der umfassenden Neupositionierung.   Durch Schwangerschaft und Geburt kommt nicht nur ein Kind zur Welt, sondern auch eine Frau als neue Mutter. Dass die damit verbundenen persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen nicht leicht zu vereinbaren sind, ist auch meine Erfahrung. Ich habe mein erstes Kind mit 38 Jahren bekommen. Davor war mein Plan: Ich lasse mich darauf ein, und wenn das Universum das will, werde ich meinen Weg finden. Trotzdem hatte ich zunächst Angst vor dem Neubeginn.  

 

Wie kann Yoga in dieser Situation unterstützen?   Yoga kann es Frauen erleichtern, sich auf ihre neue Rolle als Mutter einzulassen und die vermeintlichen Gegensätze – Stichwort „Hatha“ – zwischen persönlichen Bedürfnissen und den Anforderungen der Gesellschaft auszugleichen. Durch Techniken wie Atmen und Spüren können wir unseren eigenen Weg finden. Einen liberalen Weg der Mitte.      

 

Wie sah dieser Weg für dich aus?   Für mich hat sich Yoga in der Schwangerschaft insofern als heilsam erwiesen, als dass sich einige Dinge, die mich vorher sehr gestresst haben – Karriere, perfektes Aussehen und trotzdem vor allem durch Intelligenz und Leistung wahrgenommen zu werden – relativiert haben. Sich den Anforderungen von Schwangerschaft und Geburt zu stellen, auch dem Leben danach, bedeutet in erster Linie, praktisch werden zu müssen. Der Anspruch, nach außen wirken zu müssen und Anerkennung zu finden, hat sich abgeschliffen.  

 

Hattest du diesen Anspruch auch in der Yogapraxis?   Im Yoga gibt es durchaus die Gefahr, dass Selbststudium und Selbstsuche doch wieder einem Leistungsprinzip unterworfen werde. Man geht dann nicht objektiv vor, sondern meint, dass man nur „sein“ dürfe, wenn man seine Triebe und sonderbaren Facetten ausmerzt oder in Form bringt. Die Schwangerschaft und Ankunft meines ersten Kindes haben dem eine pragmatische Komponente gegeben und mir als eher komplizierter Frau gut getan, Es ist vergeblich, an einem alten Selbstbild festhalten zu wollen. Mich hat das auf den Teppich gebracht, ohne dass ich meine Träume verloren hätte, und in einen Zustand des Seins – keiner bloßen Idee von mir.

 

     

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